Immer wieder hört man „Wir sind jetzt agil.“ oder liest in den Anforderungen bei Vakanzen, dass die Kandidaten mit der Durchführung agiler Projekte auskennen sollen. Dabei ist Agilität genau genommen ein alter Hut. Oder wie man so schön sagt: Alter Wein in neuen Schläuchen.
Was ist Agilität?
Agilität bedeutet im Deutschen nichts weiter als Beweglichkeit oder Flexibilität. Egal, ob Institutionen und Unternehmen oder jeder einzelne Mensch. Wer nicht agil ist, ist unbeweglich oder verharrt starr in einem Zustand.
Eine entsprechende Definition (Gabler , Stand 7.8.2026) in betriebswirtschaftlicher Sichtweise ist:
„Agilität ist die Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.“
Was sind agile Unternehmen?
Unser tägliches Arbeiten ist durch Prozesse geprägt, mit dem Ziel eine Leistung, ein Ergebnis, zu erbringen. Diese Prozesse sind in Unternehmen (wie auch im Privaten) oftmals standardisiert. Und teilweise starr. Denken wir nur daran, dass wir gerne von der Gewohnheit dieses oder jenes zu machen sprechen.
Agile Unternehmen brechen diese Starrheit auf. Sie passen ihre Strukturen und Prozesse den sich veränderten Begebenheiten an, setzen neue Prozesse auf oder verwerfen diese.
Agile Unternehmen machen also das, was norrmalerweise schon immer jeder Unternehmer bzw. jedes Unternehmen macht: Anpassen an sich verändernde Rahmen- und Marktbedingungen.
Was ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess?
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (bekannt auch als KVP) ist die klassische prozessuale Beschreibung dieses „sich auf verändernde Bedingungen“ anpassen. Einfach ausgedrückt besteht der KVP aus fortlaufenden
- Erkennen von Problemen/Veränderungen
- Entwickeln von Verbesserungen
- Umsetzen der Verbesserungsideen
- Nachprüfen des Erfolgs von den eingeführten Verbesserungen
- Nachjustieren (oder halt wieder Punkt 1)
Worauf dieser Prozess angewendet wird, ob auf reale unternehmerische Abläufe (Produktion, Verwaltung etc.) oder die (Weiter-)Entwicklung von Produkten oder Leistungen ist dabei vollkommen unerheblich.
Was hat Agilität mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu tun?
Da Agilität im Zusammenhang unternehmerischen Handelns nichts weiter bedeutet, als das Vorhandensein der Bereitschaft, jederzeit seine Prozesse auf Fehler und veränderte Rahmenbedingungen zu prüfen und diese anzupassen, handelt es sich hier vom Prinzip her um ein anderes Wort für de gleichen Sachverhalt.
Einzig unterschiedlich ist das Vorgehen.
Während bei KVP die Veränderungen fortlaufend aus dem Tätigkeit heraus erfolgen — teilweise von den Initiatoren sogar unbemerkt/unbewusst – wird bei Agilität die Veränderung in ein Projekt gepresst, ein agiles Team aufgestellt, das dann Scrum, Retrospektiven, Sprints etc. diese Veränderung entwickelt und einführt. Der KVP dagegen kommt ohne Projekte und Projekt-Teams (kann aber welche haben) aus.
Die Unternehmen, die also schon immer bewusst den KVP zum Verbessern von Produkten und Abläufen, Maßnahmen etc. eingesetzt haben, sind dem Sinn nach ein agiles Unternehmen.
Unterschied zwischen Agilität und Kontinuierlicher Verbesserungsprozesse
Verpfechter der Agilität werden darauf hinweisen, dass Agilität die Anpassung unter der Berücksichtigung unsicherer Zukunftszustände sei. Denn man könne ja jetzt nicht seriös sagen, wie die Welt in z.B. 6 Monaten aussieht.
Das stimmt soweit. Agiles Vorgehen geht von Annahmen bezüglich des zukünftigen Zustands aus. Daraufhin wird am Ist etwas geändert und geschaut, wie die Auswirkungen der Änderung sind. Auf Basis diese Erkenntnisse entscheidet man, was als nächstes getan werden muss.
Und das ist im Grunde das, was der KVP auch macht.
Der entscheidende Unterschied zwischen beiden an sich gleichen Vorgehen – und hier lassen wir mal die Zertifizierungen und damit Geldmacherei außen vor – liegt im Ansatz der Betrachtungsweise:
In den meisten Fällen, in denen der klassische KVP startet, geht man von einem Istzustand aus, stellt fest, dass man hier etwas optimieren muss, kann oder sollte und startet damit den Prozess. Kennt damit ein gewünschtes Ergebnis.
Beim agilen Ansatz ist das grobe Ziel bekannt, sowohl Ergebnis als auch Weg dahin jedoch nicht.
Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass der agile Ansatz ursprünglich aus der Softwareentwicklung kommt, bei der man zwar weiß, was man für ein Softwareprodukt auf den Markt bringen will, jedoch am Anfang nicht sicher ist, was für Anforderungen der Markt an das Produkt letztendlich stellt. Das gleiche gilt für viele andere, wenn nicht alle, Produktentwicklungen.
Da die beiden Methoden an sich gleich sind. Zudem bei einer strikten Umsetzung des Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses werden prinzipiell die Anforderungen der Agilität erfüllt, deswegen lässt sich sagen:
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