Was ist ein Gewinneinbruch?

Anfang eines jeden Jahres hört man verstärkt den Begriff ‘Gewinneinbruch’, wenn die großen Multis ihr Jahresergebnisse vorstellen und zu den Aktionärsversammlungen laden. Von der Häufigkeit wie oft er durch die Medien geht, kann man die derzeitige gesamtwirtschaftliche Lage ableiten, denn vergeht gefühlt kaum ein Tag an dem nicht von Einbrüchen der Gewinne geredet wird, befindet sich die Wirtschaft in einer Rezession, bestenfalls in einer Stagnation.

Aber was genau ist ein Gewinneinbruch?

Der Einbruch

In unserem Sprachgebrauch kennen wir viele Arten von Einbrüchen. Die meisten haben damit zu tun, dass etwas überraschend unvorhersehbares und/oder unerwünschtes eintritt. Dieses in der Regel im Zusammenhang mit dem Durchbrechen eines Gegenstandes.

Wir kennen das Einbrechen im Eis, den strafrechtlichen durch Menschen getätigten Einbruch in ein Fahrzeug oder eine Immobilie, die Einsturz von Gebäuden, Höhlen etc. Auch Leistungen Sportler brechen ein, wenn Ihre Leistungen plötzlich und unerwartet schlechter sind als ihre vorhergehende Konstanz zu vermuten ließ.

Alle diese Einbrüche haben eines gemeinsam:

– sie treten plötzlich auf

– sie sind unerwartet/überraschend; treten in der Regel unvorhersehbar auf

– es ist etwas vorhanden, was nach dem Einbruch einen anderen Zustand hat

Der Gewinn

Auch Gewinne gibt es viele. In unserem Fall interessieren lediglich die unternehmerisch erzielten Gewinne. Also der Ertrag, den das Unternehmen erzielt hat. Oder einfacher gesagt: Was nach dem Saldieren des Umsatzes und aller Kosten unterm Strich übrig geblieben ist.

Eine einfache Betrachtung, die man in Deutschland bei kleinen Unternehmen im Rahmen der Einnahmen-Überschußrechnung / EÜR), bei Kapitalgesellschaften mit der Gewinn und Verlustrechnung (GUV) durchführt.

Der ‘Gewinneinbruch’

Der ‘Gewinneinbruch’ bezeichnet eine wirtschaftliche Situation, wonach der Gewinn eines Unternehmens gravierend geringer ist, als der der letzten betrachteten Periode. Manchmal wird der Begriff auch verwendet, wenn die Gewinnprognosen oder Gewinnerzielungspläne nicht erreicht werden.

Aber handelt es sich mit dem Begriff um einen korrekten ökonomischen? Oder ist es eigentlich nur umgangsprachlicher Gebrauch? Also:

Gibt es einen ‚Gewinneinbruch‘?

Der Begriff ‚Gewinneinbruch‘ wird definitiv falsch verwendet. Denn die Voraussetzungen des Wortteils ‚Einbruch‘ sind nicht gegeben.

1. plötzliches Auftreten
Gewinne oder Verluste entwickeln sich über eine betrachtete Wirtschaftsperiode. Sie bauen sich auf Basis der Einnahmen und Ausgaben auf. Man kann versuchen, mit Maßnahmen den Verlusten entgegenzuwirken und somit diese zu verhindern.

2. unerwartet/überraschend/unvorhersehbar

Da Gewinne durch wirtschaftliches Handeln über einen Zeitraum entstehen (lassen wir den Punkt Gewinnerzielung zum Zeitpunkt eines einzelnen Verkaufs mal außen vor), zeichnen sich Gewinne oder Verluste für diesen ab. Damit sind sie nicht überraschend. Durch gutes rollierendes Forcasting und Controlling sollten Fehlentwicklungen rechtzeitig erkannt werden.

4. veränderter Zustand von etwas vorhandenem
Gewinne werden in einer Periode erwirtschaftet. Für einen Einbruch müssen sie jedoch zunächst vorhanden sein und sich dann durch ein momentanes Ereignis negativ verändern. Das passiert aber in der Regel nicht. Hier werden also zwei Betrachtungsweisen zu einem Begriff zusammengeführt. Eine periodische und eine auf den Zeitpunkt bezogene.

Aus dieser Betrachtungsweise lässt sich feststellen: Ein Gewinn kann nicht einbrechen.

Was sagt uns also dieser Begriff?

Mit dem ‚Gewinneinbruch‘ beschreibt man einen übermäßig geringer ausgefallenen Gewinn im Vergleich zur Vorperiode. Dabei geht man davon aus, dass der Gewinn der letzten Periode in der nächsten betrachteten weiterhin existiert. Dies ist ja nicht gegeben, da der Profit erst erwirtschaftet werden muss.

Zudem unterstellt der Begriff ‚Gewinneinbruch‘, dass der Profit in der betrachteten Periode immer mindestens so hoch sein muss wie in der Vorperiode. Diese Annahme vernachlässigt aber die Aktivität aller anderen Akteure (Kunden/Käufer, Wettbewerber, Politik, Forschung etc.) am Mark wie auch z.B. Wiederbeschaffungszyklen hinsichtlich der angebotenen Waren und Leistungen.

Wann es wirklich einen ‚Gewinneinbruch’ gibt

Natürlich gibt es Fälle, in denen es wirklich einen Gewinneinbruch gibt. Situationen, die trotz bestem Controlling, Beobachten und Forcasting nicht abschätzbar waren und somit sich auf die bis zu diesem Zeitpunkt erwirtschafteten Gewinne negativ auswirken. So können z.B. Naturkatastrophen dazu führen, dass Lieferketten zusammenbrechen oder vielleicht eine Produktionsstätte oder ein Lager vollkommen zerstört wird. Der Wiederaufbau führt zu unerwarteten Kosten, diese wirken sich auf den bis dahin erwirtschafteten Gewinn aus und kann diesen möglicherweise vollkommen auffressen.

Fazit

Jedoch sind im allgemeinen Sprachgebrauch solche vorgenannten Situationen, die nun wirklich einen eklatanten Schnitt in der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens darstellen können nicht gemeint. Wer von Gewinneinbruch redet, redet in der Regel von einem niedrigeren Gewinn im Vergleich zur Vorperiode.

Die inflationäre und reißerische sowie falsche Verwendung des Begriffs ‚Umsatzeinbruch‘ macht sich gut auf den Titelseiten der Presse. Sie verschleiert dabei die Unfähigkeit des Managements und der gesamten Unternehmung das Gewinnniveau oder die Gewinnziele zu erreichen und gibt äußeren unvorhersehbaren Umständen die Schuld, wobei es sich hierbei um die Unfähigkeit des Unternehmens handelt, sich auf Marktveränderungen, welche selten plötzlich auftreten, einzustellen und sich daran anzupassen.

Daher kann man zu Recht sagen: Einen ‚Gewinneinbruch‘ gibt es in den meisten Fällen nicht.

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